„Die kommen zur Kirche – das muss man auch mal sagen“

„Bibel, Blues und Bier“ geht auch nach dem Weggang von Andreas Domke weiter, das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Für die beiden Ausgaben im November und Dezember wird Pfarrer Ralf Schwieger aus Friedrichswalde übernehmen. Im WochenNEWS-Gespräch erzählt er, warum ihn das Zehdenicker Format begeistert – und warum er trotzdem nicht einfach versuchen will, Andreas Domke zu kopieren.

Ralf, Andreas Domke hat angekündigt, dass es mit „Bibel, Blues und Bier“ weitergeht. Jetzt ist klar: Du übernimmst zunächst im November und Dezember.

Genau. Ich habe gesagt, ich mache die beiden Termine im November und Dezember. Im Oktober fange ich an, mir Gedanken zu machen und sie vorzubereiten. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass die Pfarrstelle in Zehdenick bald wieder besetzt wird und jemand kommt, der dieses Format dann weiterführt.

Du hast „Bibel, Blues und Bier“ bisher vor allem aus der Entfernung verfolgt. Was fasziniert dich daran?

Das ist schon eine krasse Geschichte. Da kamen jetzt letzten Freitag 350 Menschen zusammen. Es gibt gute Musik, gute Geschichten – und mittendrin die Bibel. Das ist doch eigentlich genau das, was Kirche auszeichnet: rausgehen und etwas machen, zu dem die Leute wirklich kommen wollen.

Und man muss auch mal sagen: Die kommen zur Bibel, zum Pfarrer, zur Kirche. Natürlich trinken sie ihr Bier und machen ihr Schwätzchen. Aber sie kommen zu „Bibel, Blues und Bier“. Die Bibelgeschichte gehört ganz selbstverständlich dazu. Das ist nicht belehrend. Das gehört einfach zum Abend.

Das Format ist eng mit Andreas Domke verbunden. Ist es schwierig, dort einzusteigen?

Natürlich lebt so etwas immer auch von den Akteuren. „Bibel, Blues und Bier“ lebt von Andreas und von seiner Art, diese Geschichten zu erzählen. Mit mir wird es deshalb wahrscheinlich ein bisschen anders werden. Nicht unbedingt im Ablauf – der Rahmen und die Liturgie stehen ja –, aber die Person vorne ist eine andere.

Und genau das ist auch völlig in Ordnung.

Du hattest in einem früheren Gespräch mal gesagt, dass gerade solche Formate von authentischen Menschen leben. Was meinst du damit?

Ich glaube, Kolleginnen und Kollegen sollten stärker das machen, was ihnen selbst Freude macht und was zu ihnen passt. Wir sind so unterschiedlich – und deshalb können wir auch sehr unterschiedliche Dinge anbieten.

Man muss nicht alles machen. Aber man sollte die eigenen Sachen gut machen. Für fast jede Idee gibt es Menschen, die genau das gut finden.

Du kennst das inzwischen auch aus Ringenwalde. Dort funktionieren die besonderen Gottesdienste ebenfalls immer stärker über ungewöhnliche Orte und Formen.

Ja. Man merkt einfach, dass andere Räume auch eine andere Atmosphäre schaffen. In einer Scheune, einem Saal oder draußen kommen Menschen schneller miteinander ins Gespräch. Das ist lockerer.

Bei „Bibel, Blues und Bier“ funktioniert das auf eine ähnliche Weise. Die Leute kommen hin und fühlen sich offenbar zu Hause. Gleichzeitig erleben sie Bibel in einer Form, die völlig selbstverständlich zum Abend gehört.

Am 25. September bist du bei der nächsten Ausgabe in Zehdenick schon dabei?

Ja. Das wird dann so etwas wie die Übergabe. Darauf freue ich mich drauf.

Pfarrer Ralf Schwieger

Ev. Kirchengemeinde Friedrichswalde