Ihr seid das Wunder

Fünf Brote, sieben Fische und eine Wiese voller Menschen: Bei „Bibel, Blues und Bier“ an der Freiarche in Zehdenick wurde eine alte Wundergeschichte überraschend gegenwärtig. Andreas Domke erzählte von der Speisung der 5000 – und davon, was entstehen kann, wenn einer anfängt und viele etwas beitragen.

Fünf Brote, sieben Fische – und 5000 Menschen, die satt werden. Eine dieser biblischen Wundergeschichten, bei denen man schnell denkt: Ja, ja, steht so in der Bibel. Aber was soll man heute damit anfangen?

Andreas Domke holte die Geschichte am Freitagabend direkt auf die Wiese an der Zehdenicker Freiarche. Menschen saßen auf Bänken und Decken beieinander, Spooner und Carl machten Musik, dazwischen erzählte Domke seine Geschichte.

Sein Blick auf die Speisung der 5000 war dabei ziemlich bodenständig. Nicht die Frage, wie fünf Brote und sieben Fische mathematisch für Tausende Menschen reichen können, stand im Mittelpunkt. Sondern der Moment, in dem einer anfängt.

Ein Kind bringt das Wenige, das es hat. Dann stellt vielleicht noch jemand etwas dazu. Einer teilt, andere machen mit. Und plötzlich verändert sich die ganze Situation.

Genau an dieser Stelle war Domke längst nicht mehr nur bei der biblischen Geschichte.

Denn auch „Bibel, Blues und Bier“ funktioniert so. Der eine stellt Bänke hin, der nächste kümmert sich ums Licht, andere schenken Bier aus, machen Musik oder helfen irgendwo mit. Viele tragen etwas bei, damit aus einer Idee am Ende ein Abend wird.

„Es wird ein Fest, weil wir es alle wollen, weil wir da sind“, sagte Domke. Und dann zog er die Verbindung zur alten Geschichte noch enger: Vielleicht bestehe das Wunder gerade darin, dass Menschen auf einer Wiese zusammenkommen, Musik hören, Geschichten teilen, miteinander fröhlich sind und am Ende sagen: Das müssen wir wieder machen.

Aus einer kleinen Idee ist viel geworden

Dass dieser Gedanke nicht nur gut klingt, ließ sich am Freitagabend ziemlich direkt sehen.

Zu den ersten Ausgaben von „Bibel, Blues und Bier“ kamen rund 40 Menschen. Seitdem ist die Reihe von Mal zu Mal gewachsen. Inzwischen hat sie in Zehdenick längst ihre eigene Fangemeinde. Freunde bringen Freunde mit, andere kommen zum ersten Mal, viele treffen sich immer wieder.

Spooner und Carl gehörten bereits im vergangenen Jahr zum Programm, als „Bibel, Blues und Bier“ beim Wassersportclub zu Gast war. Diesmal standen sie an der Freiarche wieder auf der Wiesenbühne.

Rund 350 Menschen waren gekommen – mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Für Andreas Domke war genau diese Entwicklung Teil seiner Wundergeschichte. Nicht, weil plötzlich etwas Unerklärliches passiert wäre. Sondern weil aus vielen kleinen Beiträgen über die Zeit etwas entstanden ist, das am Anfang wohl niemand so planen konnte.

„Wir sind das Wunder. Ihr seid das Wunder“, sagte er schließlich.

Und es geht weiter

Auch der bevorstehende Abschied von Andreas Domke aus Zehdenick gehörte an diesem Abend dazu. Ende Oktober wird er Zehdenick verlassen.

„Bibel, Blues und Bier“ endet damit aber nicht.

Am 25. September gibt es in der Klosterscheune noch einmal eine Ausgabe mit ihm. Danach wird Domke die Reihe in vertraute Hände geben. Das Wunder von „Bibel, Blues und Bier“ geht also weiter.