Aus der spontanen Sommerreihe entsteht ein eigener Fußabdruck, der neues Leben in die Schorfheiden-Gemeinde zwischen Barnim und Uckermark bringt.
Mehr als 60 Menschen kamen zuletzt zum Schlagergottesdienst nach Ringenwalde. Zum Abschluss der ersten Runde der Sommergottesdienste geht es nun am 30. August noch einmal aus der Kirche hinaus – zum Frühschoppen mit Politikern und Polizisten. Für Pfarrer Ralf Schwieger ist längst zu spüren, dass aus den besonderen Gottesdiensten mehr entsteht als eine Veranstaltungsreihe für den Sommer.
„Ich liebe das Leben“, „Heimat“, „Über den Wolken“ und „An Tagen wie diesen“: Beim jüngsten Sommergottesdienst in Ringenwalde bestimmten bekannte Songs den musikalischen Rahmen. Die Predigt nahm das Thema Heimat auf, denn: „Heimat muss von uns Menschen, die hier leben, positiv gefüllt werden“, sagt Ralf Schwieger.
Dabei ging es auch um die kirchliche Tradition, Heimat stärker im Himmel zu verorten und das Leben auf Erden eher als Unterwegssein mit leichtem Gepäck zu verstehen. Ob das allein ausreiche, darüber habe man an diesem Sonntag miteinander nachgedacht.
Für die Musik sorgte Sing Ina aus Joachimsthal. Bier und Limonade wurden ausgeschenkt, Tina und Katrin hatten Kesselgulasch gekocht. Mehr als 60 Menschen kamen – aus Ringenwalde und Friedrichswalde, aus Glambeck und Joachimsthal und inzwischen auch aus anderen Teilen der Uckermark.
Genau darin sieht Schwieger eine der spannendsten Entwicklungen dieses Sommers. „Es kommen neue Leute dazu, die neue Ideen haben und begeistert sind. Und wenn man begeisterte Leute hat, wird man selber auch ein bisschen begeisterter.“
Raus aus der Kirche – hinein ins Gespräch
Zum Abschluss dieser ersten Runde geht es am kommenden Sonntag noch einmal um einen bewussten Wechsel des Ortes. Nach einem kurzen Gottesdienst in der Ringenwalder Kirche zieht die Gemeinde zum Frühschoppen in die Gaststätte „Zum Grünen Baum“.
Dort sollen Politikerinnen und Politiker sowie Vertreter der Polizei Rede und Antwort stehen. Zugesagt haben unter anderem Abgeordnete aus Landtag und Bundestag sowie Vertreter der Kommunalpolitik. Welche Themen auf den Tisch kommen, soll dabei ausdrücklich nicht vorher festgelegt werden.
Ralf Schwieger interessiert besonders, was sich verändert, wenn Gottesdienst und Gespräch nicht ausschließlich im klassischen Kirchenraum stattfinden.
„Wenn man in einer Scheune oder im Saal vom Grünen Baum zusammensitzt, kommt man schneller ins Gespräch. Man steht beim Bier an und quatscht miteinander. In einer Kirche ist das anders.“
Für viele Menschen ist die Kirche ein Stück weit aus dem Leben und aus dem Blick geraten. Nicht jede und jeder bewegt sich dort noch ganz selbstverständlich. Vertraute Orte außerhalb der Kirche schaffen dagegen oft schneller ein Gemeinschaftsgefühl: offener, lockerer und mit weniger Abstand zwischen denen, die regelmäßig kommen, und denen, die zum ersten Mal dabei sind.
Die Ideen gehen weiter
Mit dem Ende der Sommerreihe ist deshalb längst nicht Schluss. Schon für September und Anfang Oktober stehen weitere besondere Gottesdienste im Kalender.
Am 13. September ist ein Fahrradgottesdienst geplant. Von Ringenwalde soll es über Friedrichswalde und weitere Stationen bis nach Glambeck gehen – mit kleinen Andachten und Musik an den Kirchen entlang der Strecke.
Am 20. September gestaltet Lektor Erdmann einen Gottesdienst in Ringenwalde. Und am 3. Oktober um 10 Uhr kommt der Berliner Sänger Crispin in die Ringenwalder Kirche. Er hat eigens ein Lied zur Deutschen Einheit geschrieben, das dort seine Uraufführung erleben soll.
Für Ralf Schwieger ist diese Entwicklung wichtiger als ein einzelnes erfolgreiches Format. Die besonderen Gottesdienste bringen Menschen zusammen, die vorher nicht unbedingt gemeinsam in einer Kirchenbank gesessen hätten. Manche kommen inzwischen gezielt aus anderen Orten dazu und neben der Kirche sind es immer auch andere Orte, an denen man sich in Ringenwalde begegnet.
„Da bildet sich eine ganz illustre Gemeinschaft“, sagt Schwieger.
Genau das ist der interessanteste Ertrag dieses Ringenwalder Sommers: Nicht nur neue Gottesdienstideen sind entstanden. Es sind auch neue Verbindungen zwischen Menschen gewachsen – und daraus wiederum die nächsten Ideen.

